Schreiben von Andrea Milz MdL an den Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Dr. Hans-Gert Pöttering

An den
Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Herrn Dr. Hans-Gert Pöttering
Rathausallee 12

53757 Sankt Augustin

 

Sehr geehrter Herr Dr. Pöttering,

mit großer Sorge habe ich die Umzugsüberlegungen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zur Kenntnis nehmen müssen.

Das Aufgeben des Standortes Schloss Eichholz und der Verkauf des Stammhauses in Sankt Augustin und der damit einhergehenden Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Berlin haben mich überrascht und bestürzt. Diese Nachricht erreicht die Region in einer Zeit, in der über den Umzug von Ministerien von Bonn nach Berlin öffentlich nachgedacht wird. Zuletzt war es das Bundesministerium der Verteidigung, welches Überlegungen über einen weiteren Abzug aus Bonn angestellt hatte. Diese Diskussionen nähren die Sorgen vor einem weiteren Rutschbahn-Effekt in Richtung Berlin.

Auch wenn die KAS als politische Stiftung nicht an das Bonn/Berlin-Gesetz gebunden ist, müssen sich ihre Entscheidungen dennoch an den Maßstäben der politischen Beschlüsse messen lassen. Mit jedem weiteren Umzug von Institutionen nach Berlin werden die Verhandlungen für noch ansässige Institutionen schwieriger. Nur der Verbleib der KAS im Rheinland hilft vom Umzug bedrohten Institutionen und gibt diesen eine Perspektive. Darüber hinaus gefährden weitere Umzüge auch den Erhalt geschichtsträchtiger „Infrastruktur“, wie das Gästehaus Petersberg.

Die Nähe der rheinischen Standorte der KAS zu dem Wohn- und Arbeitsumfeld des ersten deutschen Bundeskanzlers in Rhöndorf bewirkt eine ständige Erinnerung an das historische und geistige Fundament der Stiftung. Mit dem Umzug der KAS nach Berlin gibt sie ihre Wurzeln auf und wendet sich von ihrem Namensgeber symbolisch ab.

Es ist daher außerordentlich bedauerlich, dass die KAS den Verkauf ihrer Immobilien vorantreibt, um sich in Berlin zu zentralisieren. Ich habe Verständnis für strukturelle und wirtschaftliche Anpassungen. Dennoch sind die wirtschaftlichen Erwägungen der KAS im Zusammenhang mit dem Umzug unverständlich. Ein Neubau in Berlin und eine Verlagerung der Beschäftigten nach Berlin ist mit erheblichen Kosten verbunden. Darüber hinaus darf nicht der Eindruck entstehen, dass selbst eine politische Stiftung überwiegend wirtschaftlich denkt.

Daher erinnere ich Sie an Ihre Verantwortung im Sinne der im Rheinland historisch verwurzelten KAS. Gleichzeitig appelliere ich an Sie, ein klares Bekenntnis zu den rheinischen Standorten – Schloss Eichholz und Sankt Augustin – abzugeben und nach Mitteln und Wegen zu suchen, damit diese für die Stiftung dauerhaft erhalten bleiben.

In der Hoffnung auf eine positive Antwort verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

 

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