Standortchancen durch gezielte Tourismuspolitik effektiv nutzen: Ein Beitrag für Wachstum und Innovation in Nordrhein-Westfalen

Rede der Abgeordneten Andrea Milz

am 11. September 2009

 

„Standortchancen durch gezielte Tourismuspolitik effektiv nutzen: Ein Beitrag für Wachstum und Innovation in Nordrhein-Westfalen“

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Thema Tourismus steht zum ersten Mal in dieser Legislaturperiode auf der Tagesordnung – darüber freue ich mich, haben wir doch so Gelegenheit, auf die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor in NRW hinzuweisen, die leider oft unterschätzt wird.

Einige Zahlen: Im Jahr 2008 hat der Tourismussektor rund drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in NRW erwirtschaftet. Blickt man auf den Arbeitsmarkt, stellt man fest, dass rund 530.000 Menschen bei uns direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig sind. 41,5 Millionen Übernachtungen wurden in 2008 gezählt; damit kamen so viele Gäste wie nie zuvor nach Nordrhein-Westfalen. Ein Fünftel aller Touristen in NRW kamen aus dem Ausland.

Darüber hinaus wirkt Tourismus als Verstärkung für eine positive Standortentwicklung: wer als Tourist Rhein und Ruhr kennenlernt, nimmt unser Bundesland positiv als möglichen Arbeits- und Wohnort wahr. Damit wird die Abwanderung einheimischer Fachkräfte verhindert, und damit werden junge Leute als Nachwuchs für die Arbeitsplätze sowie Investoren angelockt.

Und wir haben ja auch viel zu bieten:

  • einen hohen Freizeit- und Erholungswert,
  • einen lebendigen und vielfältigen Kulturraum in Europa,
  • eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur, (na ja, bei mir zuhause im wunderschönen Siebengebirge fehlt allerdings noch eine Verkehrsentlastung)

und

  • vier internationale Messeplätze.

So ist es nicht verwunderlich, dass Nordrhein-Westfalen zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland gehört, sich der Tourismus in NRW auf Erfolgskurs befindet.

Trotz dieser Erfolgsgeschichte besteht Nachholbedarf, ist das Potenzial des Tourismus in Nordrhein-Westfalen bei weitem nicht ausgeschöpft. Trotz seiner vielen Standort-Vorzüge wird NRW bislang noch nicht ausreichend als Tourismusziel wahrgenommen

Wir können das besser!

Es muss uns gelingen, die Stärken unseres Landes klarer herauszustellen und zu entwickeln, um einen Schub für den Tourismussektor und damit für den ganzen Wirtschaftsstandort NRW zu bekommen.
Die Landesregierung fördert den Tourismus bereits umfangreich. Neben dem Wirtschaftsministerium leisten weitere Ressorts ihren Beitrag und weisen Gelder im jeweiligen Haushalt für Tourismus aus.
Die Vernetzung der örtlichen Angebote wird seit einigen Jahren vom übergreifend tätigen Tourismus NRW e.V. unterstützt. Die Förderung des Vereins wurde entsprechend seiner Bedeutung von 500.000 auf 925.000 fast verdoppelt.
Der touristische Wettbewerb „Erlebnis.NRW“ wurde initiiert und aus dem Fond für Regionalentwicklung gefördert.

Dennoch: Wir können das besser!

Eine weitere Imagesteigerung des Tourismusstandortes NRW ist notwendig. Erste Schritte hat die Landesregierung bereits unternommen:
Sie hat die Marketingkampagne „We love the new…“ ins Leben gerufen.
Sie hat über den Tourismus NRW e.V. von dem Institut Roland Berger Strategy Consultans GmbH einen touristischen Masterplan, eine neue Tourismusstrategie für NRW, erarbeiten lassen. Darauf wird die Ministerin sicher noch eingehen.

Hierzu an dieser Stelle nur soviel:

Für die Umsetzung dieses Masterplans sowie für die Steigerung des Images des Tourismusstandorts Nordrhein-Westfalen ist eine stärke Vernetzung der Akteure, eine Bündelung der Kräfte notwendig.

Eine Verzahnung und eine gemeinsame Planung der verschiedenen, den Tourismus fördernden Ressorts könnte die Effizienz deren Beiträge noch erhöhen. Die Frage, wie die Fördertöpfe der Ministerien zusammengefasst oder im Verbund betrachtet und ausgegeben werden können, muss geklärt werden.

Eine für das gesamte Bundesland verbindliche Landesstrategie ist für die Profilierung NRWs als Tourismusziel wichtig.

Daher fordern wir die Landesregierung in unserem Antrag auf zu

  • einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit
  • dem Aufbau von Kompetenznetzwerken in den Tourismusbereichen „Business“, „Aktiv“, „Gesundheit“, „Kultur“, sowie „Stadt und Event“
  • dem Aufbau einer einheitlichen Dachmarke für den Tourismusstandort NRW.

 

Wir fordern die Landesregierung dazu auf,

  • sich verstärkt der Mittelstandsförderung in der Tourismusbranche anzunehmen
  • das Gastronomie- und Beherbergungsgewerbe zu unterstützen und ein entsprechendes Programm zu entwickeln
  • dem Tourismus im Bereich der Wirtschaftsförderung angemessenen Raum zu geben
  • sich ressortübergreifend mit der mittelfristigen Tourismusplanung für das Land auseinanderzusetzen

und

  • bestehende Initiativen wie „Unser Dorf hat Zukunft“ um den touristischen Focus zu erweitern.

 

Der Tourismus in NRW muss als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden.

Er muss gebündelt, effizient und transparent gefördert sowie klar und zielgerichtet kommuniziert werden.

Nur so bleibt der Tourismus in Nordrhein-Westfalen weiter auf Erfolgskurs!

 

Vielen Dank!

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