Innovation und Solidarität – Schlussfolgerungen der Landesregierung aus den Empfehlungen der Zukunftskommission Nordrhein-Westfalen

Rede der Abgeordneten Andrea Milz am 21. Januar 2010

 

„Innovation und Solidarität – Schlussfolgerungen der Landesregierung aus den Empfehlungen der Zukunftskommission Nordrhein-Westfalen“

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit es die Menschheit gibt, gibt es Träume, Vorstellungen und Erwartungen über und an unser Leben und unsere Zukunft.

Ich bin sicher, dass jeder von uns – ob in der Kindheit oder erst später, ob durch ein Buch oder einen Film – mindestens einmal in seinem Leben von einer Zeitreise geträumt hat.

Warum dieser Vergleich? Das ist doch reine Fiktion und hat mit der Realität nicht viel zu tun?! Ja, das stimmt. Dennoch beflügeln Zukunftsträume und Zukunftsvorstellungen unsere Phantasie.

Unabhängig davon, ob sie einen abschreckenden Charakter haben oder ob sie uns ins Schwärmen versetzen: Sie regen zum Denken an und sie erinnern uns vor allem daran, dass es nicht nur das Hier und Heute gibt, sondern auch ein Morgen, ein Übermorgen, ein nächstes Jahrzehnt und ein nächstes Jahrhundert.

Und genau an dieser Stelle möchte ich an unsere heutige Debatte über den Abschlussbericht der Zukunftskommission NRW und die damit einhergehenden Empfehlungen anknüpfen:

Hier haben sich Menschen mit einer spannenden Mischung aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf eine Art Zukunftsreise begeben.

Zwei Dinge finde ich ungewöhnlich, aber sehr ansprechend und gelungen:

Zum einen ist es die Wortwahl der zentralen Frage „Wie wollen wir in 2025 leben?“. Mit diesem zunächst unwesentlich erscheinenden Wort „wollen“ verdeutlicht man einen nicht unwesentlichen und positiven Anreiz: Wir haben es selbst in der Hand, welche Weichen wir für unsere Zukunft stellen. Im Ergebnis stellt sich eine interessante Vorausschau auf unsere Gesellschaft von morgen dar.

Zum anderen finde ich es sehr förderlich, dass der Abschlussbericht sowie die Formulierung der sogenannten „kritischen Fragen“ keine Art Handbuch für die Gesellschaft und auch keine Art Wahlprogramm sein sollen, sondern ein sinnvoller Anstoß für gesellschaftliche Debatten.

Mittlerweile ist uns allen bekannt, dass sich die demographischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in unserem Land verändert haben und sich in den nächsten Jahren weiterhin bedeutend verändern werden. Bei diesem Befund dürfen wir es aber nicht belassen. Um Nordrhein-Westfalen zukunftsfähig zu machen, müssen wir frühzeitig wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist.

Heute sind alle Lebensphasen auch Bildungsphasen. Um die damit verbundenen politischen Schlussfolgerungen zu ziehen und die Konsequenzen zu gestalten, sind die zahlreichen Empfehlungen der Zukunftskommission sehr wertvoll. Einige Punkte bestätigen den von uns bereits eingeschlagenen Weg. Andere lenken unseren Blick in neue Richtungen.

Der demographische Wandel hat viele Gesichter. Um ihn erfolgreich gestalten zu können, müssen sich sowohl die Ballungszentren unseres Landes als auch die ländlichen Räume den Herausforderungen stellen sowie Chancen und Risiken frühzeitig erkennen. Die ländlichen Räume sind in besonderer Weise betroffen: Gerade junge Menschen, die für ihre Ausbildung ihre Heimat verlassen, kehren oftmals nicht dorthin zurück. Häufig finden sich Karrieremöglichkeiten in hochqualifizierten Jobs eher in den Städten. Die Folge ist eine zunehmende Überalterung der Bevölkerung im ländlichen Raum und eine Abnahme der dortigen Siedlungsdichte. Ballungszentren und ländliche Regionen gehören aber untrennbar zur Identität unseres Landes. Gemeinsam geben sie ihm sein unverwechselbares Gesicht und bieten eine hohe Lebensqualität, die wir auch in einem bereits eingesetzten Wandlungsprozess erhalten wollen.

Zur Lebensqualität gehört ein intensiver Dialog zwischen den Generationen, der den Zusammenhalt unserer Gesellschaft überhaupt erst ermöglicht. Wir alle können und müssen darauf Einfluss nehmen, dass negative, nicht zeitgemäße und ungerechtfertigte Bilder vom Alter – aber auch von der Jugend – aus den Köpfen einiger Unbelehrbarer verbannt werden. Negative Beurteilungen und unwürdige Behandlung von Menschen nur aufgrund ihres Lebensalters sind zu verhindern. Wir werden alle alt und wir waren alle jung: Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, dass beide Potentiale nicht ungenutzt bleiben. Da sind wir uns mit der Zukunftskommission einig. Einig bin ich mir auch mit den Aussagen zu den Potentialen von Frauen: Niemand kann es sich leisten – Gesellschaft nicht, Politik nicht und Unternehmen nicht -, diese Potentiale als nebensächlich zu betrachten. Um den Wünschen und berechtigten Ansprüchen von Frauen Rechnung zu tragen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt es, Erwerbsarbeit familienintegrierend zu gestalten. Zudem wird man (oder MANN) nicht mehr lange verhindern können, dass Frauen mit hoher Berufsqualifikation die oberen Karriereetagen oder Aufsichtsratsmandate erobern.

Wenden wir uns anderen Themenbereichen zu, finden wir auch dort Übereinstimmungen in unserer politischen Schwerpunktsetzung für mehr Chancen, mehr Gerechtigkeit und mehr Bildung mit den Empfehlungen der Kommission.

Der qualitative und quantitative Ausbau unserer Betreuungsangebote für die Kleinsten hat Vorfahrt und dies wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die Kommission empfiehlt eine bessere Beteiligung der Eltern und formuliert am Ende Ihrer Zeitreise, also im Jahr 2025, ich zitiere: „An die Stelle des einstigen Nebeneinanders trat ein stärkeres Miteinander von privater und öffentlicher Erziehung und Bildung“. Ich stimme der Kommission voll und ganz zu, dass wir die Partnerschaft von Eltern und Pädagogen noch offensiver unterstützen müssen. Die bereits realisierten Familienzentren machen sehr deutlich, wie unerlässlich und erfolgreich eine innovative Vernetzung von Kompetenzen ist.

Nur wenn jedes Kind im Mittelpunkt steht, können wir ihm das Rüstzeug vermitteln, welches es im Leben braucht: Grundwissen, Lernbereitschaft und -fähigkeit und das Zusammenspiel mit anderen. Davon werden alle, sozial stark oder schwach, in Deutschland geboren oder zugezogen, profitieren.

Für Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund ist die Kita zudem oftmals ein leichter Weg, direkt mit ihren Nachbarn in Kontakt zu kommen und dort auch ihre Sprache zu lernen. Die Zukunftskommission spricht hier von Müttern und Vätern als dem Schlüssel zur Integration. Egal, ob wir von sozialer oder kultureller Integration sprechen: Auch hier stimme ich zu und sehe trotz aller Erfolge noch einen langen Weg vor uns. Denn nur wenn alle an Bildungs- und Arbeitsmarktchancen teilhaben, gelingt ein fruchtbares Zusammenwachsen der verschiedenen Kulturen.

Leider endet hier meine Zeit, die mir für die Zeitreise zur Verfügung steht. Und so bleibt es mir nur noch, den Mitgliedern der Kommission herzlich zu danken für diese Denkanstöße und uns allen zu wünschen, dass wir gute Ergebnissen erzielen im Interesse unserer Nachkommen.

Vielen Dank!

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