Berücksichtigung des demographischen Wandels – auch im Sektor der Finanzprodukte für Senioren

Rede von Andrea Milz MdL am 29.09.2010  zum Antrag der Fraktion der CDU :

„Berücksichtigung des demographischen Wandels – auch im Sektor der Finanzprodukte für Senioren“

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

die Älteren von heute sind nicht mehr die Älteren vergangener Zeiten! Sie stehen nicht mehr nur im Blickfeld der Pflege-, Krankheits- und Sozialpolitik, sondern werden als aktive Gestalter der Gesellschaft im demographischen Wandel gesehen.

Diesen Wechsel der Perspektive in der Seniorenpolitik hatte die CDU-geführte Landesregierung bereits vollzogen, und auch die CDU-Landtagsfraktion betont die Chancen der demographischen Entwicklung in NRW. Wollen wir das Selbstbestimmungsrecht Älterer in allen Lebensbereichen achten und sichern, gehört dazu auch ihre Beteiligung am Verbrauchermarkt. Einen Teil dieses Marktes bildet der Sektor der Finanzprodukte für Seniorinnen und Senioren.

Die Generation 55-plus besitzt mehr als die Hälfte des gesamten Geldvermögens in Deutschland. Über 80 Prozent der älteren Menschen in NRW leben in einer finanziell gesicherten Einkommens- und Vermögenssituation. Altersarmut existiert zwar immer noch, aber das Alter ist nicht mehr durch Armut und Krankheit geprägt. Das Selbstverständnis der Generation 55plus ist zudem nicht mehr gleichzusetzen mit der Mentalität der Kriegsgeneration, die auf Verzicht eingestellt war.

Die Älteren legen zwar nach wie vor großen Wert auf finanzielle Sicherheit, daneben sind sie aber auch auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Leben so lange wie möglich aktiv und mit hoher Lebensqualität zu gestalten.

Diese erfreuliche gesellschaftliche Entwicklung bedeutet für die Politik Chance und Herausforderung zugleich.

Es ist Aufgabe der Politik, sichere und zuverlässige  Rahmenbedingungen für die Erfüllung der Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren auch im Sektor der Finanzprodukte zu schaffen.

Bedürfnisse bestehen nach

1. neuen Produkten im Finanzdienstleistungsbereich und
2. einer qualitativ hochwertigen Beratung bei Finanzprodukten.

Kompetenter Partner bei der Beratung ist die Verbraucherzentrale NRW, die 2007 durch den Abschluss einer finanziellen Vereinbarung gestärkt wurde. Diese Vereinbarung hat erstmals eine mehrjährige finanzielle Planungssicherheit für die Verbraucherzentrale NRW geschaffen.

Das ist bisher bundesweit einmalig!

Ebenfalls im Jahr 2007 gelang der CDU-geführten Landesregierung ein Einstieg in die Weiterentwicklung von Angeboten im Finanzdienstleistungsbereich für Seniorinnen und Senioren.

In einer gemeinsamen Entschließung mit Verbänden, Banken und Sparkassen gab Generationenminister Armin Laschet wichtige Impulse für die Entwicklung der Seniorenwirtschaft.

Angeregt werden in dieser gemeinsamen Entschließung unter anderem

  • neue Finanzdienstleistungs-Produkte im Bereich der Versicherungsleistungen;
  • Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der Mitarbeiter der Finanzdienstleister im Hinblick auf ein besseres Verständnis der Bedürfnisse von Senioren;
  • Die Weiterentwicklung unabhängiger Gütesiegel als Hilfsmittel bei der Auswahl von Finanzprodukten und Finanzdienstleistungen.

Angestrebt wird – und das ist mir besonders wichtig – dass in NRW niemand mehr allein aufgrund seines Alters von Finanzprodukten und Finanzdienstleistungen ausgeschlossen wird.

Die bislang vorherrschende Regel vieler Geldinstitute z.B. bei der Kreditvergabe nach dem Motto „Je älter der Kunde, desto kleiner die Chance, Geld zu erhalten“ ist eine nicht hinnehmbare Altersdiskriminierung!

Sie widerspricht nicht nur unserem christlichen Wertesystem, sondern auch den Erfordernissen des demographischen Wandels. Sie widerspricht den Erfordernissen, die durch den steigenden Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung entstehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die CDU-Fraktion will mit dem vorliegenden Antrag das Thema Finanzprodukte für Seniorinnen und Senioren noch einmal anschieben. Es gilt weiterhin, bedürfnisorientierte Lösungen im Sinne einer generationengerechten Teilhabe zu finden. Es gilt weiterhin, spezielle Kreditprodukte für Ältere zu entwickeln.

Hierbei lohnt sich ein Blick nach Großbritannien und in die USA: Dort ist der Immobilienverzehr via Umkehrdarlehen schon seit Jahren fester Bestandteil der Alterssicherung.

Und so funktioniert die sogenannte „Umgekehrte Hypothek“:

Seniorinnen und Senioren mit abbezahlter oder nur gering belasteter Immobilie nehmen eine Hypothek auf, die entweder als einmalige Summe oder als monatliche Rente ausgezahlt wird. Der Kredit bleibt so lange tilgungsfrei, bis der Eigentümer verstirbt oder auszieht; dann erst wird die Kreditschuld aus dem Immobilienerlös beglichen.

Das bedeutet einen Vorteil gegenüber dem klassischen Darlehen: Das Produkt gibt dem Bankkunden als konstante Rente zusätzliche finanzielle Sicherheit oder ermöglicht es den Seniorinnen und Senioren, das so gewonnene Kapital zu einer aktiven Lebensgestaltung und zur Erhöhung ihrer Lebensqualität zu nutzen.

Inzwischen liegt auch eine Machbarkeitsstudie der NRW.Bank vor, die eine Startförderung vorschlägt.

Hier sind wir als Landtag NRW gefordert und sollten über die Optionen diskutieren.

Doch nicht nur das Land NRW ist gefordert, sondern auch die Finanzinstitute!

Wir erwarten von dem Finanzdienstleistungssektor, dass er auf die besonderen Anforderungen des demographischen Wandels reagiert: Eine qualifizierte Beratung und eine vertrauensvolle Bank-Kunden-Beziehung, insbesondere für die Älteren, sind ein Muss! Das Gleiche gilt für die kundenfreundliche Gestaltung von Bank-Filialen. Hierzu zählen die problemlose Erreichbarkeit der Filiale sowie der barrierefreie Zugang für Seniorinnen und Senioren.

Wir erwarten:

1. Eine Steigerung des Serviceausbaus und der Produktentwicklung, insbesondere für ältere Menschen;

2. die Beseitigung bestehender Hürden, die innovativen Angeboten im Wege stehen;

3. die senioren– und behindertengerechte Ausstattung der Geschäftsstellen der Finanzdienstleister.

Die Landesregierung fordern wir dazu auf, das bestehende Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale NRW zu erhalten und auszubauen – im Sinne einer flächendeckenden Verbraucherberatung auch und vor allem im Interesse älterer Menschen in NRW!

 

Vielen Dank!

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