Geteilte Macht – Geschlechterausgewogenheit in den Aufsichtsgremien signifikant stärken

Rede Andrea Milz

Antrag der Fraktion der CDU

Geteilte Macht – Geschlechterausgewogenheit in den Aufsichtsgremien signifikant stärken

 vor gut einem Jahr haben wir das Thema Frauen in Führungspositionen diskutiert. Wenn wir dies heute erneut tun, geht unser Antrag einigen hier im Plenum sicher nicht weit genug, anderen dagegen schon zu weit.

Schon das Wort „Macht“ in der Überschrift des Antrages hat einige Herren meiner Fraktion in Aufregung versetzt: man schlug vor, doch lieber von „Verantwortung“ zu sprechen… Ja klar, Verantwortung haben auch die Schriftführerinnen in unseren Ortsverbänden – Macht haben sie dagegen keine.

„Macht“ in Kombination mit „Frauen“ und „geteilt“ – darüber streiten sich wohl die Geister dieses Landes noch lange: wieviel davon, auf welche Weise, freiwillig oder mit Quote.

Den Weg, den wir Ihnen heute vorschlagen, sollten alle mitgehen können: Mehr Transparenz, wenn es um die Führungsetagen der Unternehmen und ihrer Gremien geht sowie mehr Offenheit, was gegen die geringe Repräsentanz von Frauen konkret unternommen wird.

Es müssen alternative, angemessene Maßnahmen ergriffen werden, die vor allem in Kooperation mit der Wirtschaft auf eine stärkere Beteiligung von Frauen abzielen. Wir setzen uns daher für eine bundesweite Initiative zur Herstellung von mehr Transparenz ein. Diese soll insbesondere eine Verankerung der Berichtspflicht der Unternehmen über das Handelsgesetzbuch sowie eine verbindliche Empfehlung im Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich des Anteils von Frauen herbeiführen.

Ist das jetzt zuviel verlangt? Geht es nicht weit genug? Oder ist es gerade richtig?

Dass beide Geschlechter auf allen Ebenen angemessen vertreten sind, sollte selbstverständlich sein. Leider stellen wir fest, dass dies trotz heutiger Weltoffenheit und Moderne nicht immer gelingt. Besonders dann nicht, wenn es um die Besetzung entscheidender Posten und Positionen in Unternehmen und deren Gremien geht. Hier sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.

Laut einer Studie des Karlsruher Instituts für Unternehmensführung waren in den 600 führenden deutschen Unternehmen im Jahr 2008 nur 2,4 Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen. In den Aufsichtsräten sind Frauen lediglich mit 8,2 Prozent vertreten. Einen klaren Aufwärtstrend gab es in den vergangenen zehn Jahren auf beiden Ebenen nicht.

Gerade weil Frauen heute gut, manchmal besser ausgebildet sind als Männer, ist davon auszugehen, dass die Zugangschancen ungleich verteilt sind. Aus diesem Grund sehen wir hier einen Handlungs- und Veränderungsbedarf. Sonst vergeuden wir Bildungsinvestitionen, und den Unternehmen gehen kreative Potenziale verloren. Untersuchungen zum Beispiel von McKinsey, belegen: Führungsgremien, in denen beide Geschlechter vertreten sind, sind erfolgreicher. Und McKinsey geht noch weiter: Je höher der Frauenanteil in der Vorstandsetage, desto größer die Chance, eine Krise gut zu bewältigen.

Den Ansatz, eine stärkere Repräsentanz von Frauen in Aufsichtsratsgremien durch Kooperation mit der Wirtschaft und nicht durch gesetzliche Zwänge zu erreichen, geben wir noch nicht auf.

Gegen die vielfach geforderte Quote haben wir rechtliche Bedenken: Ab wann beginnt die Diskriminierung von Männern? Wo fängt das an und wo hört das auf? Das Bemühen um eine gerechte Quotierung könnte ausufern, wenn dann auch noch über andere Themen nachgedacht werden würde: Quote für z.B. Nationalitäten, für bestimmte Altersgruppen oder für behinderte und nichtbehinderte Menschen. Die CDU-Fraktion hätte kein gutes Gefühl dabei, hier ein Fass aufzumachen, und daher lehnen wir – zum heutigen Zeitpunkt – eine Quote ab.

Nachdem sich jedoch weder Selbstverpflichtungen der Unternehmen noch das Gleichstellungsgesetz auf Bundes- und Landesebene bewährt haben, sollten wir den öffentlichen und politischen Druck deutlich verstärken.

EU-Kommissarin Viviane Reding forderte kürzlich eine Frauenquote von 30 Prozent und mehr in der Chefetage; sie war bislang nicht als Befürworterin von gesetzlichen Quoten für Frauen in Führungspositionen bekannt, hat aber ihre Haltung angesichts des minimalen Fortschritts in diesem Bereich jetzt deutlich geändert: gesetzliche Vorgaben aus Europa schließt sie künftig nicht mehr aus.

Wenn alle sich dem Beispiel der Telekom anschließen würden, die von 2015 an jeden dritten Chefsessel mit einer Frau besetzen will, könnten wir aufatmen. Auch eine Kienbaum-Umfrage, die kürzlich veröffentlicht wurde, lässt hoffen: danach versprechen sich mehr als die Hälfte der Aufsichtsräte selbst von einer höheren Präsenz von Frauen in ihrem Kreis einen Mehrwert für die Unternehmensführung.

Nutzen wir also die Chance und die Zeit, die noch bleibt, den Umdenkungsprozess in Deutschland zu forcieren, bevor gesetzliche Auflagen aus Brüssel kommen. Es könnte die letzte Chance der Unternehmen sein, durch eigenes Tun mehr Gleichberechtigung in den Chefetagen durchzusetzen!

 

Geben Sie unserem Antrag in der Ausschussberatung nach mehr Transparenz und einer Berichtspflicht Ihre Zustimmung!

 

Vielen Dank!

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