Kinderstuben der Demokratie – erfolgreiches Modellprojekt „Kinder gestalten aktiv ihre Lebenswelt“ in Nordrhein-Westfalen fortführen

Die Rede im Video-Stream

Rede Andrea Milz

Antrag
der Fraktion der CDU

 „Kinderstuben der Demokratie“ – erfolgreiches Modellprojekt „Kinder gestalten aktiv ihre Lebenswelt“ in Nordrhein-Westfalen fortführen!

Anrede,

schon einmal, im Sommer 2011, haben wir über einen nahezu identischen Antrag diskutiert, dessen abschließende Beratung durch die Landtagswahl 2012 verhindert wurde. Am 10.11.2011 konnten sich diejenigen von uns, die damals dabei waren, durch die Berichte der 7 Einrichtungen, die sich am seinerzeitigen Projekt beteiligt haben, davon überzeugen, welche positiven Wirkungen bei Kindern, Eltern und Erzieherinnen festzustellen waren – im Protokoll kann man alles nachlesen.

Für die Vermittlung von Demokratie ist es nie zu früh! Wer früh lernt, seine Meinung zu sagen, wird auch später sein Umfeld aktiv gestalten wollen. Das war die Grundidee des zunächst in Schleswig-Holstein entwickelten Konzepts „Kinderstube der Demokratie“, das Partizipation von Kindern zur alltäglichen Selbstverständlichkeit in den beteiligten Kindergärten werden lässt.

Die CDU-Landtagsfraktion hatte 2008 in einem Antrag dazu aufgefordert, etwas Ähnliches auch in Nordrhein-Westfalen zu initiieren. Von 2009 bis 2010 wurde daraufhin das Modellprojekt „Kinder gestalten aktiv ihre Lebenswelt“ in sieben nordrhein-westfälischen Kindertagesstätten umgesetzt.

Mit Erfolg, wie die Praxis zeigt!

In den Modell-Kindertagesstätten zeigt sich, dass die Beteiligung von Kindern im frühen Alter möglich ist und wie eine solche Demokratiebildung durch Fachkräfte eröffnet und begleitet werden kann.

Auch wer bisher keine Gelegenheit hatte, eine teilnehme Einrichtung zu besuchen, kann den Berichten entnehmen, dass ganz unterschiedliche Ansätze der Mitbestimmung gewählt wurden:

Mal ging es z.B. um die Gestaltung eines Außengeländes oder eines Walderlebnispfades, wo Spielgeräte oder Wege von Kindern selbst entworfen und auch umgesetzt wurden. Dabei verloren auch Eltern ihre manchmal zu Anfang vorherrschende Skepsis und packten kräftig mit an. Oder es wurde eine Kita-Verfassung entwickelt, die mehr Mitbestimmung der Kinder ermöglicht. Ein Zirkusprojekt fand seinen krönenden Abschluss in einer Veranstaltung mit 300 Zuschauern. Diese Berichte haben uns 2011 alle überzeugt.

Den großen Erfolg des Modellprojekts bestätigt auch der Abschlussbericht des Projektträgers, dem Institut für Partizipation, aus dem Jahr 2010.

Demnach gelang in allen sieben Modelleinrichtungen eine Implementierung und Vertiefung von Partizipation. Die Kinder sind selbstständiger geworden und fordern ihre Rechte ein. Aber sie haben auch gelernt, mit Abstimmungsergebnissen umzugehen und mit Mehrheiten zu leben.

Die Erfahrungen zeigen zudem, dass die Selbstbestimmungskompetenz auch noch sehr kleiner Kinder bislang unterschätzt worden ist.

Die Kinder in den „Kinderstuben der Demokratie“ haben die anfänglich neue Situation problemlos akzeptiert und entwickelten eine erstaunliche Bandbreite an Kompetenzen:

Sie sind wissbegierig, lösungsorientiert und friedfertig.

Sie lösen Konflikte durch Gespräche und finden Interessenausgleiche.

Sie unterstützen sich und lernen voneinander, sind sozial- und handlungskompetent.

Die Kinder haben nicht nur demokratische Instrumente kennen gelernt, sondern nutzen sie aktiv und selbstverständlich für die Gestaltung ihrer Entscheidungsprozesse.

Positiv wirkt sich die Partizipation der Kinder auch auf die Arbeit der Erzieherteams in den Kindertagesstätten aus, da sie hierbei die eigene pädagogische Praxis hinterfragen und ständig reflektieren müssen.

Nicht zuletzt ist es auch gelungen, bei den Eltern Interesse und Verständnis für partizipatorische Prozesse und Methoden in den Kindertagesstätten zu wecken. Auch sie profitieren von dem neuen Demokratiebewusstsein ihrer Kinder, die ihre Mitbestimmungs-Erfahrung mit nach Hause nehmen, um sie auf die Ebene der Familie zu übertragen.

NRW verfügt nun über sieben Referenzeinrichtungen, die ihre Erfahrungen mit Partizipation an andere Einrichtungen weitergeben können. Sie befürworten eine Fortführung und Ausdehnung dieses Projektes.

Ich wünsche mir daher sehr, dass wir im Ausschuss gemeinsam überlegen, wie es weitergehen kann. Betrachten Sie unsere Forderungen daher als Angebote. Wenn wir wollen, werden wir einen Weg finden, das erfolgreiche Projekt „Kinder gestalten aktiv ihre Umwelt“ fortzuführen und die übrigen rund 12.500 Kindertagesstätten in NRW dabei zu unterstützen, den Modelleinrichtungen auf ihrem Weg zu „Kinderstuben der Demokratie“ zu folgen.

Für die Vermittlung von Demokratie ist es nie zu früh!

Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss und danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Die Kommentare wurden geschlossen