Größere Wertschätzung der Fankultur – Fanprojekte nachhaltig fördern!

Die Rede im Video-Stream

Rede von Andrea Milz am 10.07.2013
zum Antrag der Fraktion der Piraten, DS 16/3433

„Größere Wertschätzung der Fankultur – Fanprojekte nachhaltig fördern!“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wohl keine andere Sportart begeistert die Deutschen so sehr wie der Fußball. Fragt man die Fans, so wird schnell klar, dass Fußball eine Art „modernes Kulturgut“ ist. Fußball lebt dabei vom geselligen Miteinander unterschiedlichster Menschen und der unvergleichlichen Atmosphäre in den Stadien.

Der weitaus größte Teil der Anhängerschaft zelebriert den Fußball friedlich.
Gekleidet in den jeweiligen Vereinsfarben singen die Stadionbesucher die Vereinslieder und Anfeuerungsgesänge auf den Tribünen und Rängen.
Diese Millionen friedlicher Fans sind das „Salz in der Suppe“ des Fußballs.
Sie sind klar zu unterscheiden von einer Minderheit von Chaoten, die durch Gewalt und Randale leider immer wieder die mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht und so bedauerlicherweise die Schlagzeilen bestimmt.

Es ist inakzeptabel, wenn friedliche Fußballfans, darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche, permanent dem Risiko von Übergriffen ausgesetzt sind. Gefährliche Ausschreitungen am Rande von Fußballspielen oder sogar während des Spiels können nicht als „naturgegeben“ hingenommen werden.

Gewalt beim Fußball ist aber auch immer im gesamtgesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Insofern zieht auch der Fußball als Massenveranstaltung gewaltbereite Täter an, die dem Fußball eigentlich nicht näher verbunden sind und so eben gerade nicht als Fans bezeichnet werden können.

Ein Patentrezept gegen Gewalt kann es im Fußball genauswenig geben wie in allen anderen Lebensbereichen.
Vielmehr muss es den Verantwortlichen darum gehen, Handlungsoptionen zu entwickeln, die für alle Beteiligten tragbar sind.
Ein nachhaltiger Erfolg kann sich nur einstellen, wenn die Vereine gemeinsam mit ihren Fans an Lösungsstrategien arbeiten.
Das gern und oft zitierte „Betroffene zu Beteiligten machen“ hat hier durchaus seine Berechtigung.

Pauschale Vorverurteilungen aller organisierten Fans sind da wenig hilfreich.
Vielmehr muss es darum gehen, die friedliche Fankultur zu stärken und mit den Fans dauerhaft im Dialog zu bleiben.

Deutschland befindet sich dabei auf einem guten Weg.
Der präventive Ansatz der sozialpädagogischen Arbeit mit Fußballfans ist durch die langjährige erfolgreiche Tätigkeit der Fanprojekte mittlerweile anerkannt.
An derzeit deutschlandweit 49 Standorten werden aktuell 54 Fanszenen betreut.
In Nordrhein-Westfalen wird in 14 Fanprojekten wertvolle Arbeit geleistet.

Grundlage der sozialpädagogisch orientierten Fanarbeit ist das Bewusstsein, dass dem gewalttätigen Verhalten jugendlicher Fußballfans nicht allein mit Strafe begegnet werden kann. Vielmehr soll der junge Mensch schon viel früher in seiner Lebenswelt „abgeholt“ werden. Demgemäß findet die eigentliche Fanarbeit im Stadion, während der Fahrt zu einem Auswärtsspiel oder bei Fantreffs statt.

Um ungünstigen Entwicklungen frühzeitig entgegen zu wirken, fördern die Projekte eine kreative Fankultur. Den jungen Fans werden alternative Freizeit- und Bildungsangebote vermittelt.
Förderlich ist dabei die Vernetzung der Fanprojekte mit weiteren pädagogischen Einrichtungen und Akteuren außerhalb des Fußballs, aber auch der internationale Austausch.

In den Kommunen leisten die Fanprojekte einen wichtigen Beitrag zur Jugendarbeit.
Sie können über den Fußball oft auch Jugendliche erreichen, die den klassischen Jugendeinrichtungen eher fernbleiben.
Dennoch setzen die verfügbaren Ressourcen den Erwartungen und Möglichkeiten vor Ort Grenzen.

Die Ständige Konferenz der Innenminister und Innensenatoren der Länder -IMK- hat im Rahmen ihrer 197. Sitzung unter TOP 30 „Bewältigung des polizeilichen Einsatzgeschehens bei Fußballspielen – Gewaltprävention“ begrüßt, dass die Verbände DFB und DFL unter anderem bereits einen Prozess zur Verstärkung des Dialogs mit der Fanszene eingeleitet haben. Zudem wurde die Notwendigkeit der Stärkung und Förderung der Arbeit der Fanprojekte als wesentlicher Beitrag zur Gewaltprävention betont.
Des Weiteren wurden die Erhöhung des Anteils der Verbände DFB und DFL an der gemeinsamen Finanzierung der Fanprojekte um 50 Prozent und die Zusage zur Verdoppelung der Investitionen für Präventionsmaßnahmen ausdrücklich begrüßt und die Zusicherung gegeben, die jeweiligen Länderanteile in der bisherigen Höhe beizubehalten.

Diese Feststellungen möchte ich ausdrücklich unterstützen.

Meine Damen und Herren,

der Staat darf die anhaltende Gewaltbereitschaft und Gewalt in den Stadien und in deren Umfeld nicht tolerieren.
Der Familienausflug ins Fußballstadion darf nicht zu einem „Horrortrip“ werden.
Lassen Sie uns das vorhandene Potential der Fanprojekte nutzen, deren engagierte Mitarbeiter viele Jugendliche erreichen können!

Ich freue mich auf die Diskussion in den Ausschüssen und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

Die Kommentare wurden geschlossen