Berufsperspektiven für junge Mädchen erweitern – Aktionstage wie ‚Girls Day‘ bieten eine gute Möglichkeit

Die Rede im Video-Stream

Rede Andrea Milz MdL
zum Antrag der Fraktionen der SPD und Bündnis 90/die Grünen „Berufsperspektiven für junge Mädchen erweitern – Aktionstage wie ‚Girls Day‘ bieten eine gute Möglichkeit“

Anrede

Beim Lesen der Überschrift des Antrages denkt man „Prima!“ – liest man weiter, kommt in vielen Worten dann leider nicht viel und schon gar nichts Neues! Soll hier wie gestern mit dem Antrag zum Equal Pay Day nur ein Jahresereignis abgehakt werden? Die Vermutung liegt nahe, zumal es immer eine direkte Abstimmung gibt, das heißt, eine vertiefte Diskussion in den Ausschüssen gar nicht erwünscht ist.

Würden wir dort diskutieren, könnten wir Frauen einladen, die gute Ideen haben, wo man ansetzen könnte. Frauen, die selbst ihren Weg gemacht haben und heute erfolgreich, weiblich, mitten im Leben stehen. Diese Gelegenheit haben wir mit drei Arbeitskreisen gestern genutzt und mit externen Sachverständigen diskutiert, wo sie die Gründe sehen, woher die von den Antragstellern ja zu Recht beklagten einseitigen Berufswünsche von Mädchen eigentlich herkommen und ob man nicht anders ansetzen müsste, als die Antragsteller dies hier tun.

Gerne nenne ich hier einige Beispiele: Junge Mädchen entscheiden über ihren Berufswunsch auch danach, welches Image eine Tätigkeit hat. Vorstellungen davon, welche Tätigkeiten schön und welche es eben nicht sind, verändern sich über die Generationen. Wenn wir nicht so lange warten wollen, bis eine neue Mädchengeneration evtl. Blaumänner chic findet, sollten wir darüber nachdenken, wie wir das Image von Blaumännern verbessern können. Warum nicht Unternehmen ansprechen, in denen junge Mädchen und Frauen erfolgreich ihren Weg z.B. als Mechatronikerinnen, Schreinerinnen oder Ingenieurinnen gemacht haben und diese Vorbilder persönlich in die Schulklassen holen, wo sie dann mit ihrer Geschichte helfen können, Vorurteile abzubauen? Dies wird vereinzelt getan, jedoch viel zu wenig und unsystematisch, so dass nur marginale Veränderungen erreicht werden.

Ein weiteres Beispiel: Junge Mütter erkennen nicht selten, dass sie viel flexibler Familie und Beruf unter einen Hut bekommen können, wenn sie sich selbstständig machen. Auch wenn man vermuten könnte, dass eine junge Mutter stark auf Sicherheit setzt, gibt es überall Beispiele dafür, wie bei entsprechender Unterstützung der Sprung in die Eigenständigkeit erfolgreich geschafft werden kann und die Lebenszufriedenheit dadurch steigt. Haben wir da wirklich schon alles getan, um den Existenzgründerinnen und jungen Müttern hier zu helfen?

Möchten Sie noch mehr Beispiele? Wer hilft, Frauen anzusprechen und ihnen Mut zu machen, wenn es um die Nachfolge in Unternehmen geht? Wir stehen bei Firmenübergaben vor großen Generationenwechseln – die unglaubliche Chancen auch für Frauen bieten, Verantwortung zu übernehmen und dabei tatsächlich glücklich zu werden. Nicht jede kommt auf die Idee, dass das etwas für sie sein könnte: helfen wir dabei, sie auf die Idee zu bringen! Damit das gelingt, brauchen die vielen Handwerksbetriebe weiblichen Nachwuchs – der muss nicht immer aus Haupt-, Gesamt- oder Realschulen kommen. Viele Studierende erkennen nach einiger Zeit, nicht auf dem richtigen Weg zu sein – hier sollten aktiv Möglichkeiten angeboten werden, in einem Ausbildungsberuf eine Chance zu bekommen und dort vielleicht einen ganz anderen Weg als den ursprünglich geplanten einzuschlagen – vielleicht nicht im Büro, aber zufriedenstellend und durchaus zur vielfältigen Weiblichkeit passend!

In diesem Sinne hätte ich mir mehr Raum für wirklich neue Ideen gewünscht. Da Sie als Regierungsfraktionen das aber nicht wollen, werden wir Ihrem Antrag der vielen Worte und der inhaltlichen Leere nicht zustimmen können.

Vielen Dank.

Die Kommentare wurden geschlossen