Wie steht die Landesregierung zur geplanten Schließung der Bereiche Geburtshilfe und Neonatologie der Kinderklinik Sankt Augustin?

09.12.2016

Kleine Anfrage

der Abgeordneten Andrea Milz, CDU

Wie steht die Landesregierung zur geplanten Schließung der Bereiche Geburtshilfe und Neonatologie der Kinderklinik Sankt Augustin?

Die Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin hat am 30. November 2016 angekündigt, die Berei­che Geburtshilfe und Neonatologie zu schließen und für diese Bereiche verstärkt mit den Kli­niken der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) zu kooperieren. Um dies gewährleisten zu können, müssen die Kliniken der GFO ihre Kapazitäten ausbauen, wofür bisher aber noch keine Genehmigungen vorliegen.

Unabhängig davon ist mit der Schließung der beiden Bereiche eine nachhaltige Verschlechte­rung der medizinischen Versorgung im Großraum Sankt Augustin zu erwarten. Die in Zukunft längeren Anfahrtswege erhöhen die Risiken gerade bei Komplikationen für Mutter und Kind deutlich. Mit der Kombination von Geburtshilfe und den Spezialdisziplinen sowie des Kinder­herzzentrums an der Kinderklinik Sankt Augustin war eine optimale Versorgung für die jungen Patienten in den letzten Jahren gewährleistet. Die dann in Zukunft notwendigen Verlegungen – sofern sie überhaupt medizinisch vertretbar sind – von kranken Säuglingen in die Spezial­abteilungen der Kinderklinik Sankt Augustin bergen erhebliche Risiken für die empfindlichen Patienten. Außerdem wird ein hoher finanzieller und logistischer Aufwand für alle Beteiligten verursacht.

Die Schließung der Geburtshilfe in Sankt Augustin muss darüber hinaus vor dem Hintergrund, dass das Land NRW erst vor sechs Jahren Zuschüsse zum Umbau der Geburtshilfe gegeben hat, betrachtet werden.

Mit dem Geburtshilfebereich in der Kinderklinik Sankt Augustin wird die vierte Geburtsstation nach Siegburg, Eitorf und Waldbröl in der Region geschlossen. Die Schwangerschaftskonflikt­beraterinnen von Awo, Diakonie, donum vitae, Esperanza und pro familia warnen im General­Anzeiger vom 08.12.2016 davor, dass auf Grund überfüllter Kreißsäle in Zukunft der Rettungs­wagen als Entbindungsstation herhalten muss.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Wie bewertet die Landesregierung die geplante Schließung der Bereiche Geburtshilfe und Neonatologie der Kinderklinik Sankt Augustin im Hinblick darauf, dass die beiden verblie­benen Level 1 Kliniken der Region – das Marienhospital sowie die Universitätsklinik Bonn – nur ca. 2 km voneinander entfernt im linksrheinischen Gebiet liegen und von dort aus auch den östlichen Rhein-Sieg-Kreis versorgen müssen?
  2. Was unternimmt die Landesregierung, um einen Erhalt der beiden genannten Bereiche an der Kinderklinik Sankt Augustin zu erreichen?
  3.   Wie stellen sich die genauen Zahlen für die Geburten sowie die anschließende Behand­lung der Säuglinge in der Kinderklinik Sankt Augustin der letzten sechs Jahre dar? (Bitte die Zahlen aufschlüsseln nach: Geburten insgesamt, Geburten mit Komplikationen, stati­onäre Behandlungen direkt nach der Geburt, Dauer der stationären Behandlungen im An­schluss an die Geburt)
  4. Welche Auflagen wurden der Kinderklinik bei der Gewährung von Landeszuschüssen für den Umbau der Geburtshilfestation vor sechs Jahren gemacht?
  5. Wie bewertet die Landesregierung die Situation, dass die bisherigen kurzen Wege von der Geburtsstation zum Kinderkrankenhaus wegfallen und dadurch Säuglinge auf jeden Fall im Bedarfsfall transportiert werden müssen?

Andrea Milz

Antwort der Landesregierung vom 16.01.2017

 

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